Mädelsabend | Anne Gesthuysen

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Ruth van Rennings und ihr Mann Walter sind kürzlich in eine Seniorenresidenz gezogen. Während Walter noch dem Eigenheim und der vermeintlichen Selbstständigkeit hinterher trauert, blüht Ruth auf, denn in der Seniorenresidenz findet sie neue Freundinnen und neue Hobbys. Ruths Leben war geprägt von harter Arbeit, patriarchalen Strukturen und einer Ehe, in der sie nicht immer glücklich war. In der Seniorenresidenz lernt sie nun eine ganz eigene Form der Freiheit kennen, denn endlich hat sie die Möglichkeit selbstbestimmt und nicht nur nach Walters Regeln zu leben.
Ruths Enkelin Sara hingegen jongliert um Familie, Beziehung und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dennoch lebt sie ein viel freieres und vor allem selbstbestimmteres Leben als Ruth. Als Sara ein Forschungsstipendium in England angeboten wird, stellt dies ihre Beziehung auf eine harte Probe.

In drei Erzählsträngen verbindet Anne Gesthuysen geschickt das sehr unterschiedlich verlaufende Leben von Großmutter und Enkelin zu einer Geschichte. In je einem Erzählstrang werden Ruth und Sara in der Gegenwart begleitet. Der dritte Erzählstrang blickt immer wieder in die Vergangenheit zurück und erzählt aus Ruths Leben. Mir hat dieser regelmäßige Wechsel der Perspektive sehr gut gefallen, denn so erhält man ein wirklich umfassendes Bild über das Leben der beiden Frauen.

„Mädelsabend“ ist am Niederrhein angesiedelt. Auch ich komme aus dem Rheinland, so dass mir viele Begriffe bekannt vorkamen und ich vor allem bei den Rückblicken auch immer wieder an meine Oma und ihre Erzählungen davon, wie es früher so war, denken musste.

Ruths Leben war von patriarchalen Strukturen bestimmt, welche nicht nur ihr Mann, sondern auch ihr Schwiegervater vorgegeben haben. Die Autorin stellt hier sehr gut die Unterschiede zwischen Ruth und Sara dar, so dass deutlich wird, wie viel einfacher es Frauen heutzutage im Vergleich zu früher in vielen Bereichen haben. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, denn „Mädelsabend“ ist somit nicht nur eine Familiengeschichte, sondern stellt auch gut Teile der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte dar.

Anne Gesthuysens Schreibe ist sehr angenehm zu lesen. Ihr gelingt es mit einfachen Worten ein umfangreiches Bild zu zeichnen. Viele Schilderungen von dem, was für Ruth und die Frauen ihrer Generation normal ist und war, ist für uns heute nur schwer vorstellbar. Durch die Schreibe der Autorin wirkten diese Schilderungen auf mich nur noch einmal eindringlicher, verdeutlichten aber eben auch dass es damals nun mal so war ohne dies zu bewerten.

„Mädelsabend“ hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ich habe das Buch wirklich gerne gelesen. Deswegen habe ich mir „Wir sind doch Schwestern“ inzwischen schon gekauft, weil ich mich schon darauf freue, noch mehr aus der Feder Anne Gesthuysens zu lesen.

Mädelsabend | Anne Gesthuysen | Kiepenheuer & Witsch | 2018 | Hardcover | 384 Seiten | ISBN: 978-3462051506 | 22,00€

*Werbung: Dieses Buch wurde mir zur Rezension kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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