Goldschatz | Ingrid Noll

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Nach dem Tod ihrer Großtante Emma zieht Trixie mit ihrem Freund Henry, ihrer besten Freundin Saskia, dem Musiker Oliver und der tatkräftigen Martina in Tante Emmas altes Bauernhaus. Renovieren statt Abreißen, Konsumverzicht statt Konsum ist fortan das Motto der WG. Neben Trödel, Kitsch, einem menschlichen Skelett und geheimnisvollen Aufzeichnungen finden die Fünf ein Säckchen mit wertvollen Goldmünzen in Emmas Nachlass. Die Freude ist darüber groß, denn der unverhoffte Schatz soll die Renovierungskosten decken. Doch mit dem Gold kommen auch die Schattenseiten des menschlichen Seins hervor…

In Zeiten, in denen Upcycling, Minimalismus und zero waste boomen, ist die Idee einer alternativen WG mit dem erklärten Motto auf Konsum zu verzichten, ein interessantes Setting. Leider erfährt man wenig über die Beweggründe der fünf Freunde darüber, warum sie sich für diese Lebensform entschieden haben. Und so wirken ihre Versuche, das alte Bauernhaus zu renovieren, auch eher halbherzig und gelangweilt. Dies zieht sich durch die erste Hälfte von Ingrid Nolls aktuellstem Roman. Dies ist teilweise langatmig und ich habe mich immer wieder gefragt, wann die Geschichte denn nun endlich losgeht.

In dieser ersten Hälfte werden auch alle Figuren eingeführt und man lernt sie Seite für Seite kennen. Emotional nahe bin ich aber keiner Figur gekommen. Sie sind alle auf ihre Art ziemlich unsympathisch und egoistisch. In der weiteren Entwicklung der Geschichte kommen noch ganz andere Seiten in den Figuren zum Vorschein, welche sie aber auch nicht sympathischer machen. Im Gegenteil. Für das Bild, welches Ingrid Noll mit ihrem Roman zeichnet, sind die Figuren jedoch sehr gut dargestellt, denn sie verdeutlichen nur die Moral der Geschichte.

Ab etwa der Mitte des Romans konnte mich Frau Noll dann auch so richtig packen. Habe ich für die erste Hälfte über eine Woche gebraucht, so habe ich die zweite Hälfte an einem Nachmittag verschlungen. Ingrid Noll ist einfach eine großartige Erzählerin. Ich fand es spannend, mit den Figuren durch das alte Bauernhaus zu stöbern und Kisten und Truhen zu öffnen, immer in der Hoffnung, einen weiteren Goldschatz zu finden. Noch spannender fand ich allerdings die Entwicklungen innerhalb der Gruppe. Diese nehmen ihre ganz eigene Dynamik an und erinnerten mich an eine Gerölllawine, die unaufhaltsam auf den Abgrund zudonnert.

“Goldschatz” ist nun mein zweiter Roman aus der Feder Ingrid Nolls. Ich freue mich sehr, diese Autorin nun für mich entdeckt zu haben und noch viele weitere Bücher von ihr zu lesen.

Goldschatz | Ingrid Noll | Diogenes | 2019 | Hardcover | 368 Seiten | ISBN: 978-3257070545 | Preis: 24,00€

*Werbung: Dieses Buch habe ich kostenlos zur Rezension erhalten.

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