Führung durch den Flughafen Tempelhof in Berlin

Kurz vor meinem Trip nach Berlin habe ich im Fernsehen eine Reportage über Sehenswürdigkeiten in Berlin gesehen. Da ich kaum Fernsehen gucke, war das ein echter Glückstreffer. In der Reportage wurde unter anderem auch eine Tour durch die unterirdischen Räume des Flughafen Tempelhof vorgestellt. Ich mag Flughäfen, ich mag verlassene Orte und interessiere mich für Geschichte. Da war es nur logisch, gleich ein Ticket für die Führung zu buchen. Im Herbst 2013 habe ich 12€ dafür bezahlt. Inzwischen kosten die Tickets 15€ pro Person (stand April 2018). Die Tickets können bequem online gebucht werden.

Auf dem Flughafen Tempelhof werden verschiedene Führungen angeboten. Es gibt sogar eine spezielle Fototour. Ich habe damals an der Führung “Verborgene Orte im Flughafen Tempelhof” teilgenommen.

Der Flughafen nahm 1923 als einer der ersten Verkehrsflughäfen in Deutschland den Linienverkehr auf. Schnell stellte man fest, dass der kleine Flughafen nicht ausreicht und so wurde der Bau eines neuen Flughafens beschlossen und der Flughafen Tempelhof wurde erbaut. Durch eine neugebaute U-Bahn wurde der Flughafen an das U-Bahn-Netz angeschlossen, was in den späten 1920ern weltweit einzigartig war. Anfang der 1930er Jahre hatte der Flughafen ein so hohes Verkehrsaufkommen und war auch technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, so dass erneut ein Neubau beschlossen wurde. Von 1936 bis 1941 wurde der jetzige Flughafen Tempelhof erbaut. Lange war das Gebäude das flächenmäßig größte Gebäude der Welt.

Der damalige Zeitgeist und der herrschende Größenwahn der Nazis ist der Architektur des Gebäudes deutlich anzusehen. Die Größe und Höhe der Hallen ist schon beeindruckend und ich habe mich mehr als einmal relativ klein gefühlt. Dies wurde noch einmal dadurch verstärkt, dass der Flughafen ja leer war.

Während des Kriegs wurde Tempelhof als Montagewerk für Bomber zweckentfremdet. Rund die Hälfte der beschäftigten Arbeiter waren Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, welche in Baracken auf dem Flugfeld untergebracht waren. Gegen Kriegsende befahl Hitler die Sprengung des Flughafens und Teile des alten Flughafens wurden dadurch unbrauchbar. Auch im neuen Teil des Flughafens gab es einige Brände, auch in den unterirdischen Räumen. So wurde auch ein gesamtes Filmarchiv zerstört. Die Schäden dieser Brände lassen sich heute noch sehen. Während der Besichtigung dieser Räume stellte sich bei mir wieder ein sehr merkwürdiges Gefühl ein.

Unterirdisch gab es auch einige Luftschutzbunker. Die Wände der Bunker wurden mit Malereien und Zitaten aus Geschichten von Wilhelm Busch versehen und sollten für ein wenig Ablenkung sorgen. Auf mich wirkte dies sehr grotesk. Während der Führung durch die Bunker habe ich mir immer wieder versucht vorzustellen, wie furchtbar es gewesen sein muss in diesen Bunkern ausharren zu müssen und ich bin froh, so etwas nicht erleben zu müssen.

Ende April 1945 besetzten Truppen der roten Armee den Flughafen und übergaben ihn im Juli an die Amerikaner. Die Amerikaner nutzten den Flughafen als Air Base, doch auch die zivile Luftfahrt nahm wieder Kurs auf Tempelhof. Während der Berliner Luftbrücke spielte der Flughafen Tempelhof eine wichtige Rolle. Auch die Spuren der Amerikaner finden sich heute noch in vielen Räumen des Flughafens wieder wie zum Beispiel der unterirdischen Kommandozentrale.

Seit den 1950er Jahren wurde der Flughafen immer wieder ausgebaut und vergrößert, weil die Kapazitäten einfach nicht mehr ausreichten, bis er dann 1975 für den zivilen Luftverkehr wieder geschlossen wurde. Doch schon 1981 öffnete der Flughafen Tempelhof wieder seine Türen, bis er schließlich 2008 endgültig geschlossen wurde.

Während der knapp zweistündigen Führung durch die verschiedenen Gebäudeteile habe ich sehr viel über die Geschichte des Flughafens erfahren, welche natürlich eng mit der Gesichte Deutschlands verknüpft ist. Neben dem Rollfeld und der Abfertigungshalle gab es vor allem verborgene Orte wie die Luftschutzbunker, die unterirdischen Zuggleise und den Filmbunker zu sehen. Mir hat die Führung unheimlich gut gefallen, sie war sehr informativ und dennoch kurzweilig. Ich würde die Führung glatt wieder mitmachen und kann sie nur empfehlen.

Weitere Informationen zu den angebotenen Führungen gibt es auf der Seite des Flughafens.

Während der Führung habe ich wirklich viele tolle Bilder gemacht. Am Tag der Besichtigung war es sehr nebelig, was dem ganzen aber nochmal einen besonderen Flair gegeben hat. Leider ist durch ein Missgeschick die Speicherkarte verloren gegangen. Das hat mich natürlich extrem geärgert, da ja nicht nur die meisten Bilder aus Tempelhof weg waren, sondern auch andere Bilder und Erinnerungen. Vielleicht ist das ja aber auch einfach nur noch ein Grund mehr, irgendwann nochmal eine Führung durch den Flughafen Tempelhof mitzumachen.

Die Bilder dieses Artikels erschien bereits im November 2013 auf einem ehemaligen Blogprojekt. 

4 Kommentare bei „Führung durch den Flughafen Tempelhof in Berlin“

  1. Sehr interessant!
    Mit der Idee selber mal eine Führung mitzumachen, spiele ich schon länger.
    Das werde ich demnächst mal in Angriff nehmen!
    Liebe Grüße
    Lara

    1. Hallo Lara,

      ich kann es wirklich nur empfehlen und wünsche dir schon jetzt viel Spaß bei der Führung dann.

      Liebe Grüße
      Julia

  2. Ach wie cool!! Ich habe über den Flughafen auch einen Post verfasst, es ist wunderschön auch aus anderen Augen etwas über den Flughafen zu lesen! Danke dafür, ich habe es sehr genossen.

    1. Ich lese auch immer gerne andere Meinungen. Da kann man alles immer noch mal aus einem anderen Blickwinkel sehen. Da werde ich deinen Blog noch in Ruhe besuchen kommen.
      Liebe Grüße
      Julia

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