Das Mädchen aus der Severinstraße | Annette Wieners

Das Buch liegt auf einem grauen Strickschal. Rechts daneben einige Fotografien in schwarz-weiß welche verschiedene Menschen zeigen.
Das besprochene Buch liegt halb auf einem grauen Strickschal. Daneben einige alte Fotos mit verschiedenen Menschen darauf.

Ende der 1930er Jahre wird die damals siebzehnjährige Kölnerin Maria zum Fotomodell. Damit geht ihr größter Wunsch in Erfüllung. Doch als sie merkt, dass sie damit auch in die Mühlen der Nazi-Propaganda gerät, ist es schon längst zu spät, um noch auszusteigen. Dass sie sich zu einem jüdischen Fotografen hingezogen fühlt, verschärft die Situation nur noch. Viele Jahre später hilft Marias Enkelin Sabine ihr nach dem Tod des Großvaters das Haus aufzuräumen. Dabei finden sie große Mengen Gold und Geld. Während Maria schweigt und sich immer merkwürdiger verhält, beginnt Sabine ihre eigenen Nachforschungen anzustellen.

Nachdem ich “Das Mädchen aus der Severinstraße” in der Vorschau entdeckt habe, wusste ich, dass dieses Buch eigentlich wie für mich gemacht ist. Es erzählt eine interessante Geschichte aus einer Zeit, die mich sehr interessiert und das auch noch in meiner Heimatstadt. Deswegen habe ich mich sehr auf das Erscheinen dieses Romans der in Köln lebenden Autorin Annette Wieners gefreut.

Das Buch spielt auf  zwei Zeitebenen. Einerseits begleitet man beim Lesen Maria in den 1930ern dabei, wie sie als Model entdeckt wird und wie sehr sich ihr Leben dabei verändert. Die Autorin gewährt dabei sehr viele Einblicke in das Leben in Köln zur Zeit des Nationalsozialismus. Dies fand ich sehr spannend. Und auch wenn ich mich schon oft damit beschäftigt habe, finde ich es immer wieder erschreckend, wie krass es damals gerade auch hier in Köln zuging. Maria selbst ist zerrissen zwischen ihren moralischen Wertvorstellungen und dem überlebensnotwendigen Zwang bloß nicht negativ aufzufallen. Ihre Parts habe ich sehr gerne gelesen und sie war mir sehr sympathisch.

Die zweite Zeitebene, welche zur Gegenwart handelt, wird aus Sabines Sicht erzählt. Bei ihr fand ich einige Erzählstränge für die eigentliche Geschichte eher unwichtig und hätte sie mir etwas kürzer gewünscht. Trotzdem fand ich es schön, gemeinsam mit Sabine die fehlenden Puzzlestücke in der Geschichte ihrer Großmutter aufzudecken.

Wie Sabine habe auch ich schon während meiner Ausbildung im Jugendamt im Kalk Karree gearbeitet. Und auch die Severinstraße kenne ich gut, genauso wie viele andere der beschriebenen Orte. Deswegen sah ich alles sehr lebendig vor mir, was mein Leseerlebnis noch einmal intensiviert hat.

“Das Mädchen aus der Severinstraße” hat mir richtig gut gefallen. Die Geschichte liefert spannende Einblicke in die damalige Zeit und ist spannend erzählt. Wer gerne solche Schmöker liest, wird mit diesem sicher viel Freude haben.

Das Mädchen aus der Severinstraße | Annette Wieners | 2019 | blanvalet Verlag | Hardcover | 480 Seiten | ISBN: 978-3764506858 | Preis: 20€

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